Donnerstag, 17.09.2009 11:40

Kurt Siebenhaar gestorben

Der deutsche Basketballsport trauert um einen seiner großen Pioniere. Im Alter von 80 Jahren verstarb am 12. September in Keltern bei Pforzheim der langjährige Landestrainer und Vizepräsident des Basketballverbandes Baden-Württemberg, Kurt Siebenhaar. Die Trauer bei Freunden und Bekannten, bei ehemaligen Spielerinnen und Spielern, Trainern und Kollegen ist groß. „Wir gedenken eines Freundes, der über Jahrzehnte hinweg unsere Sportart geprägt und gefördert hat wie kaum ein anderer. Unser ganzes Mitgefühl gilt Kurt Siebenhaars Frau Astrid und dem gemeinsamen Sohn Johannes“, so BBW-Präsident Joachim Spägele.

Kurt Siebenhaar war ein Heidelberger Junge durch und durch. Die Chance, in einer Universitätsstadt mit dem Basketballvirus infiziert zu werden, war auch vor dem Krieg recht groß, danach noch ungleich größer. Er hatte Talent, zweifelsohne, spielte erfolgreich und nahm in den fünfziger Jahren gleich bei drei Europameisterschaften (Paris, Moskau, Budapest) als Spieler teil. Doch es dauerte nicht lange, so fand er insbesondere auch Gefallen, an der Seitenlinie Einfluss zu nehmen. Der spätere Bundestrainer Yakovos Bilek, Prof. Hannes Neumann und Fritz Armbruster waren sodann seine Kollegen beim B-Trainer-Lehrgang. Siebenhaar, auch ehrenamtlicher Lehrwart in Nordbaden, war mit dem damaligen württembergischen Jugendwart Günther Bullinger später entscheidend am Konzept der Sichtungen des Deutschen Basketball Bundes beteiligt, welches während einer Zusammenkunft des DBB 1956 an der Kölner Sporthochschule erstmals intensiv erörtert wurde.

Auf Bundesebene blieb er bis weit in die siebziger Jahre hinein aktiv, zeichnete für die B-Nationalmannschaft und von 1964 bis 1972 für die Junioren und Kadetten verantwortlich. Doch all dies waren immer nur Honorarstellen. Von der A-Nationalmannschaft bis hinunter gab es damals praktisch keinen einzigen Basketballtrainer, der irgendwo ein volles Deputat besaß. Dies sollte sich bald ändern: Richard Möll war es schließlich, den Kurt Siebenhaar bereits als Ausbilder an der Sportschule Schöneck kannte und ihn sodann in Stuttgart wieder treffen sollte. Siebenhaar ging mit vielen Ideen im Gepäck Anfang der siebziger Jahre zusammen mit dem nordbadischen Vorsitzenden Willi Dauth nach Stuttgart zum LAL, der bereits 1970, also drei Jahre vor dem LSV durch die drei Sportbünde gegründet wurde. Er plädierte für voll bezuschusste Trainerstellen im Land und wurde auch prompt erster Landestrainer in Baden-Württemberg überhaupt – selbstredend auch erster Basketball-Landestrainer in ganz Deutschland. Eine Anstellung, die er sodann bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1994 inne hatte. Federführend organisierte er zudem ganze Europameisterschaften.

Nach Jahren in Bietigheim wohnte Kurt Siebenhaar zuletzt über 20 Jahre lang in Keltern, blieb dem BBW, so gut es ihm gesundheitlich ging, stets verbunden. Er und seine Familie waren gern gesehene Gäste bei jeder Weihnachtsfeier des Verbandes, so auch im Dezember 2008, als ihm der BBW gleichzeitig zu seinem 80. Geburtstag gratulierte. Kurt Siebenhaar hinterlässt im deutschen Basketballsport eine große Lücke, doch in Jahrzehnten der Freundschaft hat er viele Weggefährten durch sein Wissen, seine Ratschläge und seinen Humor reich beschenkt. Alle, die ihn gekannt haben, werden ihn nicht vergessen.

Astrid und Johannes Siebenhaar haben eine Abschiedsfeier für Kurt geplant für Samstag, den 19. September 2009, 14 Uhr, in der Bestattungshalle in Keltern-Weiler. Anstatt Kränzen bittet die Familie um eine Spende für einen gemeinnützigen Zweck. Die Bankverbindung lautet Sparkasse Pforzheim Calw, Konto-Nr. 776 7196, BLZ 666 500 85 Projekt: Hoffnung für die Welt.