Mittwoch, 12.05.2010 09:27

Südwestdeutsche Meisterschaften der U14: Nichts für schwache Nerven

Nach der starken Vorstellung der U14er von Kristoffer Kantschar und Özgür Kibarogullari bei den Baden-Württembergischen standen die Zeichen auf gespannter Erwartung für die Südwestdeutschen Meisterschaften.

In Vollbesetzung und mit Zuschauern in Mannschaftsstärke machte man sich am Samstag auf den Weg nach Gießen. Unterwegs wurden vier Spieler in Frankfurt eingesammelt, die direkt aus Berlin gekommen waren, wo sie mit der Schulmannschaft des OHG den Deutschen Meistertitel bei Jugend trainiert für Olympia geholt hatten. Die Ludwigsburger konnten vor ihrem ersten Auftritt noch das erste Spiel verfolgen, das anders als gewohnt, nicht die Vertreter des gleichen Landesverbandes untereinander austrugen, sondern Gastgeber Gießen gegen Heidelberg. Der USC musste allerdings ohne zwei Spieler aus der Starting Five antreten und eine extrem hohe Niederlage hinnehmen. Anschließend stieg die Anspannung spürbar und die Jungs in Gelb machten sich bereit zum Spiel gegen den TV Langen. Der zeigte sich sehr gut eingestellt und warf sich von der ersten Spielsekunde an per Ganzfeldpresse den Ludwigsburgern entgegen. Die ließen sich davon nicht aus der Bahn drängen, sondern die drei „Kleinen“ Linus, Daniel und Simon kämpften den Ball ein ums andere Mal nach vorne und schafften es auch, die „Großen“, Dervis oder Marco so anzuspielen, dass sie einnetzen konnten. Zusammen mit eingestreuten Dreiern von Leander und Simon konnte über die gesamte erste Halbzeit hinweg stets eine leichte Führung gehalten werden. Klar war aber, dass dieses Spiel enorm Kräfte zehrend war, denn Ballbesitz und Korbwurfmöglichkeiten mussten hart und oft über Steals erarbeitet werden, da man recht wenige Rebounds sichern konnte. In die Pause ging es mit einem 3-Punkte Vorsprung.  

Dann kam das dritte Viertel und mit ihm eine komplett andere Aufstellung. Mit Hilfe von mehr großen Spielern wollte man mehr Rebounds holen und vorne leichter punkten. Allein, dabei spielte Langen in keinster Weise mit, setzte eiskalt drei Steals in Folge in einen 6 zu 0 Lauf um und zog nach einem mühsamen Ludwigsburger Korb auf 5 Punkte davon. Zwar wurde nach einigen Minuten schrittweise wieder in die in der ersten Hälfte erfolgreiche Spur zurück gewechselt, doch schafften es die gelben Jungs nicht mehr, das gerissene Punkte-Loch vollständig zu kitten. Die harte Arbeit wurde zunehmend weniger belohnt, sowohl in der Offensive, wo die Bälle teilweise schon im Korb waren und doch wieder heraus sprangen, als auch in der Defensive, denn die beiden agilsten Langener Spieler Tim Schlegel und Timothy Chabot trafen auch mitunter wildeste Würfe noch. Größtes Manko blieb aber die Reboundunterlegenheit und ganz langsam machte sich ein bisschen Resignation breit. Leider fuhr man in den letzten Minuten auch noch einen unnötig hohen 16-Punkte Rückstand ein.

Somit galt es am Sonntag zunächst, den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen. Das Spiel gegen die dezimierten Heidelberger  war eigentlich „nur“ zu gewinnen. Wenn es zu einem Dreiervergleich kommen sollte, würden nur die Korbdifferenzen aus den direkten Begegnungen der drei Teams aus Langen, Gießen und Ludwigsburg zählen. Zu verschenken hatte man aber natürlich nichts. Die Heidelberger erwischten den besseren Start mit einem Dreier, Simon und Linus konnten aber umgehend nach Steal punkten. Mit einer Phase konzentrierter Defensearbeit, Rebounds und Punkten von Dervis sowie einem Dreier von Daniel konnte das erste Viertel mit 20:10 beendet werden. Für das zweite Viertel kamen Hendrik, Noah, Maxi und Leander zu Linus aufs Feld und brachten jede Menge frischer Energie mit. Noah wirbelte zusammen mit Hendrik  zum Korb, Linus schaffte oft die Basis per Steal. Die überwiegend aus dem Jahrgang 97 bestehende Heidelberger Truppe hatte kaum Mitte,. lediglich David Diouf konnte immer wieder seinen Zug zum Korb mit Punkten abschließen. Die Ludwigsburger Maschine lief insgesamt, wenn auch nicht ganz so rund, wie mit Blick auf das dritte Spiel wünschenswert gewesen wäre. Es waren immer wieder schöne Aktionen zu sehen, wie die dynamischen Korbwürfe von Shannon, der jedoch erkältungsbedingt nicht ganz bei Kräften war. Es folgte ein Dreier von Florian und ein schön herausgespielter Swish-Mitteldistanzwurf von Maxi, auch konnten weiterhin jede Menge Steals notiert werden, beim Thema Wurfquote blieben die Werte jedoch eher mäßig und am Ende hieß es 79:47.  

Das anschließende Spiel Gießen gegen Langen nahm aus Ludwigsburger Sicht anfangs einen guten Verlauf, Langen wirkte drei Viertel lang, als habe er das Spiel in Griff. Dann jedoch stürzte man sich Not mehrfach nacheinander in erfolglose Einzelaktionen und Gießen kam zu leichten Gegenpunkten. Damit war das Spiel gedreht und Gießen gewann am Ende mit fünf Punkten. Das bedeutete für das BSG-Team, dass man Gießen mit mindestens 11 Punkten schlagen musste.

Hammerspiel zum Abschluss

Noch Minuten nach dem Spiel zitterten so manche Hände. Es war ein Krimi vorausgegangen, in dem die Jungs von Kris und Özgür unglaublich stark gespielt und gekämpft hatten. Um 16.00 Uhr war Showdown in der Halle des MTV Gießen. Die Gießener, die am Morgen das Spiel gegen Langen erst im vierten Viertel zu ihren Gunsten entscheiden konnten, waren letzter Gegner der Ludwigsburger U14. Zwar hatten die gelben Barockstädter am Vormittag klar gegen das verletzungsbedingt stark dezimierte Heidelberger Team gewonnen, doch hatte die unverdient deutliche Niederlage gegen Langen am Vortag durchaus ihre Spuren hinterlassen. Gießen gewann den Tippoff und Max Brandau, mit 2,03m Herr der Lüfte, setzte die erste Marke, doch Dervis antwortete auf Assist von Simon postwendend. Und dann ging es regelrecht ab. Es war ein Schlagabtausch auf hohem Niveau. Körbe des langen Max Brandau konterte Dervis umgehend. And one stand gegen And one, dann ein Zwischenspurt über Dervis, Daniel und zum Abschluss Simon per Dreier und es hieß 26:19 nach 10 Minuten. Die in Teamstärke mitgereisten Eltern machten ordentlich Lärm – es war aber auch extrem mitreißend, was die Jungs auf dem Feld boten.

Das zweite Viertel startete nach Maß per Dreier von Daniel und Leander, Steals und Rebounds von Linus. Dann kam der lange Max Brandau gemeinsam mit dem Gießener Topscorer Awan wieder aufs Feld und beide brachten ihr Team auf 30:32 heran. In der Folge konnte man kaum Luft holen, so hoch war das Tempo. Beide Mannschaften machten ordentlich Dampf, ein gegnerischer Dreier wurde von Leander umgehend beantwortet. Mit 39:37 ging es in die Halbzeit. Es war mehr als spannend, jedoch den Gedanken, mit +11 zu gewinnen, wagte man auf den Zuschauerrängen zu diesem Zeitpunkt dann doch nicht. Erneut überraschten die von Kris und Özgür hervorragend eingestellten Jungs und legten mit dem Wiederanpfiff noch einmal eine Schippe drauf. Floater, Dreier, Freiwürfe, alles passte und man spielte eine unglaubliche 56:42 Führung heraus, das hätte den zweiten Platz und damit die Teilnahme an den Süddeutschen Meisterschaften bedeutet. Leider war das Spiel aber nicht in der 3. Minute des 3. Viertels zu Ende. In der Folge wurde es hektisch und die Trefferquote ließ etwas nach, während Gießen besser seine Chancen nutzte. Unter Mobilisierung aller Kräfte wurde noch ein 10 Punkte-Vorsprung ins 4. Viertel gerettet.

Nun drehte Gießen wiederum auf und es wurde hitzig. Leander machte dem etatmäßigen Topscorer der Gegner Awan das Leben schwer, allerdings war dieser oft nur per Foul zu stoppen und verwandelte die anschließenden Freiwürfe leider fast zu 100%. Ludwigsburgs Topscorer Dervis lieferte sich ebenfalls einen harten Kampf mit Max Brandau, musste aber dann kurz vor ihm mit 5 Fouls vom Feld. Der lange Gießener hatte nun endgültig die Lufthoheit und teilweise drei, vier Versuche, den Ball ins Netz zu bugsieren. Weiterhin viel zu sicher verwandelte Gießener Freiwürfe prägten die folgenden Minuten, während Ludwigsburger Distanzwürfe nicht mehr so sicher landeten. Gießen robbte sich Korb um Korb heran. Eine starke Phase hatte dann nochmals Linus, der Rebounds und Punkte erkämpfte ebenso wie Tim, der entschlossen zum Korb zog und ein 3-Punktspiel durchbrachte. Leider konnten in der letzten Minute vier anschließend erarbeitete Freiwürfe zu einer möglichen 12-Punkte-Führung nicht verwandelt werden. Die nächsten drei von vier Freiwürfen traf dann Simon, aber seine Dreierwürfe fanden ihr Ziel nicht mehr.  Ein kleines bisschen musste man nun doch dem hohen Tempo Tribut zollen, in den allerletzten Sekunden kamen die Gießener über zwei Turnovers ganz nahe. Am Ende stürzte Daniel die Zuschauer für einen Wimpernschlag lang in die Krise, weil er plötzlich auf den eigenen Korb warf. Das geschah jedoch mit dem Ziel, in die Verlängerung zu gehen um die Chance zu erhalten, in weiteren Minuten noch einmal ordentlich Gas zu geben und den notwendigen Punkteabstand doch wieder herausspielen zu können. Es blieb beim Versuch und so musste man sich, so paradox das klingt, mit einem 87:85 Sieg geschlagen geben. Das bedeutete den in diesem Fall äußerst undankbaren dritten Platz.

Wer so kämpft, kann mit absolut erhobenem Haupt aus der Halle gehen. Höchsten Respekt an das ganze Team samt Coaches für diese Energieleistung vor allem im letzten Spiel!

Das Team : Daniel Güray, Simon Kutzschmar, Maximilian Phillipp, Noah Gavrielides, Florian Freihofer, Shannon Simpson, Linus Lang, Leander Klumpp, Hendrik Bechtel, Tim Vico, Marco Neumann und Dervis Velagic.

Trainer: Kristoffer Kantschar & Özgür Kibarogullari